Bei Google ist der Bär los – Das Panda Update in Deutschland

Google hat uns ja bereits in den letzten Jahren immer wieder mit unterschiedlichsten Algorithmus-Update „unterhalten“, die alle jeweils nur ein Ziel hatten: Die Verbesserung der Suchergebnisse. Insofern soll die Auflistung einiger wichtiger, bisheriger Updates mit einer kurzen Erläuterung als idealer Einstieg in das Thema dienen, bevor wir uns dem „niedlichen“ Bärchen, das seit Mitte August auch in Deutschland „weilt“ widmen:

Das Panda Update wurde bereits ab Februar in Amerika ausgerollt. Bereits im Vorfeld gab es hierzu von Google diverse Informationen, dass die Qualität der Inhalte mit dem Update stärker gewichtet werden soll. Demnach gab es natürlich auch schon frühzeitig Spekulation, welche Portale denn durch Panda „über die Klinge“ springen würden. So wurde bereits vorab gemutmaßt, dass aufgrund der zum Teil doch fragwürdigen und mitunter auch qualitativ diskussionswürdigen Inhalte, insbesondere Artikelverzeichnisse, Preisvergleiche und Frage/Antwort-Portale zu den Verlierern gegen den Panda zählen dürften.

So war es dann auch kaum überraschend, dass sich diese Vermutungen mit Ausrollen des Updates in vielen Fällen auch genauso bestätigt haben. Unter anderem das Artikelportal suite101.com zählte zu den großen Verlierern. Zwischenzeitlich wurde hier von Google noch einige Male nachjustiert, so dass auch durchaus einige vermeintliche Verlierer, die zu Unrecht in den Panda-Sog geraten sind, mittlerweile „zurück im Leben“ sind. Einige andere, deren Geschäftsmodell aber eben nicht oder nur marginal auf die Qualität der Inhalte abzielt, dürften allerdings ein ernsthaftes Problem haben....

Google hat im offiziellen Blog hierzu auch ein paar Anhaltspunkte veröffentlicht, die als Einstieg zum Thema Qualität und Panda-Update herangezogen werden können. Natürlich ist da sicherlich auch wieder ein Stück weit die berühmte Google Kommunikationspolitik mit im Spiel, dennoch sind einige Punkte sicherlich nicht von der Hand zu weisen:

  • Würden Sie den in diesem Artikel enthaltenen Informationen trauen?
  • Wurde der Artikel von einem Experten oder einem sachkundigen Laien verfasst oder ist er eher oberflächlich?
  • Weist die Website doppelte, sich überschneidende oder redundante Artikel zu denselben oder ähnlichen Themen auf, deren Keywords leicht variieren?
  • Würden Sie dieser Website Ihre Kreditkarteninformationen anvertrauen?
  • Enthält dieser Artikel Rechtschreibfehler, stilistische oder sachliche Fehler?
  • Entsprechen die Themen echten Interessen der Leser der Website oder werden auf der Website Inhalte generiert, mit denen ein gutes Ranking in Suchmaschinen erzielt werden soll?
  • Enthält der Artikel Originalinhalte oder -informationen, eigene Berichte, eigene Forschungsergebnisse oder eigene Analysen?
  • Hat die Seite im Vergleich zu anderen Seiten in den Suchergebnissen einen wesentlichen Wert?
  • In welchem Maße werden die Inhalte einer Qualitätskontrolle unterzogen?
  • Werden in dem Artikel unterschiedliche Standpunkte berücksichtigt?
  • Wird die Website als kompetente Quelle zu ihrem Thema anerkannt?
  • Stammen die Inhalte aus einer Massenproduktion oder von zahlreichen externen Autoren bzw. werden sie über ein großes Netzwerk von Websites verbreitet, so dass einzelnen Seiten oder Websites eher wenig Aufmerksamkeit oder Sorgfalt gewidmet wird?
  • Wurde der Artikel sorgfältig redigiert oder scheint er eher schlampig oder hastig erstellt worden zu sein?
  • Hätten Sie bei gesundheitsbezogenen Suchanfragen Vertrauen in die Informationen dieser Website?
  • Würden Sie diese Website als kompetente Quelle erkennen, wenn sie namentlich erwähnt würde?
  • Bietet dieser Artikel eine vollständige oder umfassende Beschreibung des Themas?
  • Enthält dieser Artikel aufschlussreiche Analysen oder interessante Informationen, die nicht allgemein bekannt sind?
  • Würden Sie diese Seite zu Ihren Lesezeichen hinzufügen, an Freunde weitergeben oder empfehlen?
  • Enthält dieser Artikel unverhältnismäßig viele Anzeigen, die vom eigentlichen Inhalt ablenken oder diesen beeinträchtigen?
  • Könnten Sie sich diesen Artikel in einem Printmagazin, einer Enzyklopädie oder einem Buch vorstellen?
  • Sind die Artikel kurz oder gehaltlos oder fehlen sonstige hilfreiche Details?
  • Wurden die Seiten mit großer Sorgfalt und Detailgenauigkeit oder mit geringer Detailgenauigkeit erstellt?
  • Würden sich Nutzer beschweren, wenn ihnen Seiten von dieser Website angezeigt würden?

Als Mitte August der Panda nun auch in Deutschland ausgerollt wurde, waren die Ergebnisse aufgrund der ersten Erfahrungswerte aus Amerika umso weniger überraschend. Auch hier waren es primär Artikelverzeichnisse, Preisvergleiche und Frage/Antwort-Portale, die vom Panda – zum Teil doch recht heftigt – angeknabbert wurden.

Sistrix hat hierzu eine recht gute Auflistung der größten Verlierer des Panda-Updates in Deutschland erstellt. Als Datenbasis wurde hierzu der Sistrix-Sichtbarkeitsindex herangezogen:

Wirft man hier einen Blick auf das jeweiligen Themenumfeld, deckt sich dies mit den Erfahrungen aus Amerika. Auf Basis dieser Informationen kann man in der Folge einige Rückschlüsse auf relevante Parameter in Bezug auf den Panda ziehen. Google möchte seinen Usern bestmögliche Ergebnisse liefern. Dazu zählen insbesondere einzigartige und mehrwerthaltige Inhalte. Prüfen Sie doch einfach die vorherige Tabelle einmal selbst und stellen Sie sich die Frage, ob Sie bei diesen Portalen genau diese Vorgaben erfüllt sehen.

Parameter aus dem Panda Update

1. Keine oder nur wenige, eigene Inhalte

Als Paradebeispiel können hier die Artikelverzeichnisse sowie Preis- und Meinungsportale angeführt werden. Hier ist Duplicate Content im Prinzip an der Tagesordnung und ein Blick auf die Qualität der Inhalte ermöglicht durchaus auch den einen oder anderen Rückschluss. Ein weiteres sehr gutes Beispiel dafür, dass Google mit syndizierten Inhalten ohne echten Mehrwert inzwischen ein Problem hat, ist moebel.de. Hier werden die Inhalte von diversen anderen Möbel-Shops zusammengefasst und mit bereits vorhandenen Inhalten (Bild, Beschreibung etc.) angeteasert. Es gibt hier keine eigenen Inhalte, sondern lediglich eine Art Vorfilterung mit Verweis auf die eigentliche Quelle – in diesem Fall den jeweiligen Möbel-Shop. Dass diese Art der Darstellung bzw. dieses Geschäftsmodell mit Panda problematisch werden könnte, beweisen auch einige weitere Portale – unter anderem aus dem Bereich Fashion – ,die mit dieser Ausgestaltung von Panda merklich getroffen wurden.

2. Gestaltung und Usability

Gerade in letzter Zeit hat Google ja immer wieder auf dem Thema Usability und User-Experience „herumgeritten“. So wurde irgendwann offiziell bestätigt, dass z. B. die Ladezeit ein Rankingkriterium darstellt. Auch hier muss man in meinen Augen nur wieder mit ganz nüchternem Menschenverstand an die Sache herangehen. Google möchte den Usern bestmögliche Suchergebnisse liefern. Dazu zählt sicherlich auch, dass die von Google aufgrund einer Suchanfrage empfohlenen Seiten schnell geladen werden, professionell aussehen und genau den Content beinhalten, den der User aufgrund seiner Suchanfrage erwartet. Dazu zählt in meinen Augen auch das Thema Werbung. Hier kann man sicherlich davon ausgehen, dass bei großen Nachrichtenportalen, wie dem Spiegel oder auch Bild.de, entsprechende Filter von Google gesetzt werden, die weniger sensibel auf Werbeinhalte (Banner etc.) anspringen. Bei kleineren Webauftritten bzw. Seiten, die aufgrund der Historie und des Inhalts weniger Trust bei Google genießen, könnte ich mir aber durchaus ein anderes Handling vorstellen. Öffnet man beispielsweise das in obiger Tabelle enthaltene Nachrichtenportal news.de erhält man folgenden Screen:

Abb.: Artikelseite auf News.de

Nach Eingabe einer Suchanfrage bei Google und Klick auf einen Link zu einem Artikel auf news.de komme ich z. B. auf die angegebene Seite. Hierzu denke ich jetzt einfach mal laut: Google „empfiehlt“ aufgrund meiner Suchanfrage diese Seite, die mit Werbung vollgepflastert ist und bei der ich mich erstmal orientieren muss, wo überhaupt der eigentliche Content beginnt. Tolle „Empfehlung“ von Google – da versuche ich mein Glück doch alternativ mal bei Bing... ;-) Das Ganze ist jetzt natürlich etwas überspitzt formuliert, die Message sollte aber klar sein...

3. Kurze Verweildauern

Aktuell gibt es hierzu zwar noch keine 100%-igen Beweise, es wird aber begründet angenommen, dass die Verweildauer auf einer Seite zwischenzeitlich entsprechenden Einfluss auf das Ranking hat und dies mit Panda nochmals verstärkt wurde. Betrachtet man die oben angeführte Liste, wird man feststellen, dass in vielen Fällen die Verweildauer auf der jeweiligen Zielseite aller Wahrscheinlichkeit nach entsprechend gering sein wird. Entweder weil die Inhalte aus Qualitätsgründen nicht dem entsprechen, was man erwarten würde oder weil die dort hinterlegten Inhalte aufgrund ihrer Ausgestaltung einfach nicht zum längeren Verweilen geeignet sind. Im vorher genannten Beispiel von news.de würde es mich daher auch nicht wundern, wenn die Verweildauern eher kurz ausfallen. Die News bekomme ich auch woanders, allerdings etwas „seriöser“ und nutzerfreundlicher präsentiert.

Das Thema Verweildauer bzw. Bounce-Rate wäre auch durchaus mit Logik zu erklären. Google kennt die Inhalte von Seiten und das Themenumfeld sehr gut. Hier kann man durchaus auch davon ausgehen, dass Google sehr valide Zahlen vorliegen, wie denn bei bestimmten Seitentypen die Verweildauer im besten Fall aussehen kann. Wenn bei einer Seite nun die Verweildauer entsprechend niedriger als bei einer entsprechenden Vergleichsgröße ausfällt, kann dies im Prinzip ja nur den Grund haben, dass der User den Inhalt nicht für gut befunden hat und den Back-Button des Browsers benutzt hat. Den Fall, dass der User genau das gefunden hat, was er sucht und dann schnell wieder weg ist, lässt sich hier abhängig vom Seitentyp zu einem recht hohen Anteil ausschließen.

 
4. Konkurrenz zu Google

Hierzu möchte ich einfach mal ein paar eigene Gedanken kreisen lassen. Wir haben gesehen, dass insbesondere Artikelverzeichnisse, Preis- und Meinungsportale, sowie Frage-/Anwort-Seiten im Rahmen des Panda-Updates zum Teil recht massiv abgestraft wurden.Mit Google Shopping hat der Suchmaschinenriese bereits seit längerer Zeit eine eigene Preissuchmaschine, die gerade in den letzten 12 Monaten nochmals deutlich aufgewertet und gepusht wurde. Da kann es natürlich schon nützlich sein, wenn bei Suchanfrage zum Thema Shopping die Ergebnisse der eigenen Preissuchmaschine entsprechend gut platziert werden und der eine oder andere Konkurrent einfach etwas „Federn lässt“. Gleiches gilt für diverse Portalthemen: Im lokalen Branchencenter von Google wurde gerade in den letzte Monaten das Thema Bewertungen sehr stark forciert, da passt Hotfrog & Co. vermutlich nicht so ganz ins Konzept. Google bietet u. a. mit Google Maps ja auch seit vielen Jahren schon Infos rund um Städte und Gemeinden inkl. Unternehmensvorstellungen an, was im Prinzip auch bei staedte-info.net der Fall ist. Das Thema Frage-/Antwort ist darüber hinaus auch eine direkte Konkurrenz zu Google, da man bei Google ja auch direkt Fragen eingeben kann und sehr häufig entsprechende Ergebnisse geliefert bekommt. 

5. Mediaeinsatz

Mit Einführung der Universal Search möchte Google seinen Usern inzwischen ja ein durchaus breites Spektrum an Ergebnissen inkl. Bilder und Videos anbieten. Sieht man sich gerade größere Newsportale an, stellt man fest, dass diese bereits seit längerem einen sehr breiten Mediamix inkl. Bildergalerien, Videos, Grafiken etc. anbieten und dadurch das Surferlebnis für den User verbessern. Wirft man einen Blick auf die in der obigen Tabelle genannten Beispiele, sieht es in vielen Fällen mit einem umfassenden Mediaeinsatz eher nüchtern aus. Dies lässt sich natürlich nicht überall realisieren, aber Google kann hier mit Sicherheit unterscheiden, wo z. B. die Integration von Videos möglich wäre und auch Sinn machen könnte – bei einem Frage-/Antwort-Portal eher nicht, bei einem Möbel-Portal wäre dies aber sicherlich schon ein Thema – ,anstatt hier nur Inhalte aus diversen Quellen zu syndizieren und anzuzeigen, um dann wieder auf die eigentliche Quelle zu verweisen: Kein echter Mehrwert für den User, sondern mindestens ein Klick mehr!  

Das Panda-Update im Bezug auf Onlineshops

Wie wir ja inzwischen gehört haben, waren es unter anderem diverse Preisvergleichsportale, die zum Teil massiv von Panda getroffen wurden und empfindliche Rankingverluste hinnehmen mussten. In der Vergangenheit hatten sich diese Preisvergleiche gerade bei Produktsuchen ziemlich breit gemacht und die Suchergebnislisten zum Teil auch fast schon dominiert, was Google nicht zuletzt auch aufgrund der eigenen Shopping-Lösung sowie durch die damit womöglich verbundene Einbuße im Bereich der Zufriedenheit der Google User zum Reagieren veranlasste. Im Umkehrschluss bedeutet dies jetzt aber auch, dass damit wieder mehr Potential für Onlineshops geschaffen wurde und Onlinehändler bei einem vernünftigen Umgang mit diesem Thema zukünftig durchaus durch steigenden Suchmaschinentraffic profitieren können.

Im Shopbetreiber-Blog wird auf eine Untersuchung von 100 großen deutschen Onlineshops (Sichtbarkeitsindex > 1) hingewiesen. Dabei sind durchaus einige Überraschungen dabei. Unter dem Strich sieht es so aus, dass der Panda im Durchschnitt über diese Shops eine Verbesserung der Sichtbarkeit von rund 3,8% mit sich bringt bzw. brachte. 81% der untersuchten Shops konnten deren Sichtbarkeit durch Panda erhöhen, wohingegen 19% Verluste hinnehmen mussten.

Was bedeutet das Panda Update nun für Shopbetreiber bzw. wie kann ich mich als Shopbetreiber hier absichern? Einmal mehr gilt auch im E-Commerce „Content is king“. D. h. derjenige, der vernünftige und mehrwerthaltige Produktpräsentationen zeigt, braucht sich vor dem „putzigen Bärchen“ nicht fürchten, sondern wird im Gegenteil davon tendenziell eher profitieren. Zu solchen Produktpräsentationen zählen insbesondere:

  • Einzigartige und durchaus auch etwas umfangreichere Produktbeschreibungen mit Liebe zum Detail
  • Sinnvolle Beschreibungstexte für Ihre Kategorieübersichtsseiten, bei denen nicht die Unterbringung von relevanten Keywords, sondern von echtem Mehrwert im Vordergrund stehen soll
  • Anreicherung der Produktpräsentationen mit hochwertigen Produktbildern, Illustrationen, Merkblättern und idealerweise auch Videos
  • Verlängerung der Besuchszeiten bzw. Verringerung der Bounce-Raten durch Analyse des Klickverhaltens und Optimierung der Seitenstruktur bzw. der Inhalte
  • Verstärkung von Social Media Aktivitäten und damit Erhöhung der Sichtbarkeit im sozialen Netz

Fazit

Das Panda-Update hat in den letzten Monaten doch für einigen Wirbel gesorgt und zum Teil auch einiges an Unsicherheit hervorgerufen. Jeder der mit seinem Web-Projekt die Qualität der Inhalte nicht zu einem zentralen Mantra gemacht hat, wird möglicherweise die Zähne des Pandas zu spüren bekommen bzw. dies schon gemerkt haben. Hier ist aber bei weitem noch nicht alles verloren. Sofern man die genannten Punkte zukünftig umso mehr berücksichtigt, seinen Webauftritt bzw. Shop kritisch als User bewertet (und sich hier nicht selbst in die Tasche lügt) und etwaige Kritikpunkte auch tatsächlich berücksichtigt, für den ergeben sich zukünftig durchaus neue Chance im Web. Wie bereits in der Vergangenheit und nicht nur im Bezug auf Google wird sich mittel- und langfristig Qualität einfach durchsetzen – dies gilt insbesondere auch im Web! 

Autor

eStrategy-Redaktion

Der Autor, Josef Willkommer, ist Geschäftsführer der Online-Agentur TechDivision, die sich seit vielen Jahren mit Webentwicklung auf Open Source Basis sowie Online-Marketing beschäftigt. TechDivision ist dabei offizielle Magento Partner-Agentur der ersten Stunde.

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