E-Commerce in der Praxis - Erfolgreiche Shopbetreiber im Interview

Interview mit Arnd v. Wedemeyer, Vorstand bei Notebooksbilliger.de

1. Seit wann sind Sie im E-Commerce aktiv und wie gestalteten sich rückblickend die ersten Schritte? Warum war E-Commerce damals für Sie ein Thema?

Eigentlich habe ich als Programmierer angefangen. Im Kinderzimmer. Irgendwann bin ich dann, im Grunde durch Kundenwünsche, ins PC-Geschäft „gerutscht“ und habe in den frühen 90ern Erfahrungen im Distanzhandel und Firmenkundengeschäft bekommen. Dann war es im neuen Jahrtausend die logische Konsequenz, den Vertrieb über das Internet auszuprobieren. Und der hat funktioniert …


2. Was waren bislang einige der größten Herausforderungen und wie haben Sie diese Herausforderungen gemeistert?

Eine der größten Herausforderungen insbesondere in den letzten Jahren war bzw. ist auch nach wie vor das recht große und schnelle Wachstum von einem Kleinunternehmen hin zu einem mittelständischen Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitern. Hierzu zählen natürlich solche Dinge wie interne Prozesse und Workflows, eine entsprechende und skalierbare Logistik, das Thema Standorte und sicherlich auch Personalthemen, d. h. wie finde ich die richtigen Leute für mein Business, die fachlich gut und motiviert sind, aber zugleich auch zu uns als Unternehmen passen, wie behandle ich Weiterbildung von Mitarbeitern, wie mache ich uns attraktiv für gute Bewerber usw.

Am Wichtigsten ist es aber, den Kunden nie aus dem Fokus zu verlieren. Denn ohne unsere Kunden müssen wir uns über alles andere keine Gedanken machen.


3. Was war aus Ihrer heutigen Sicht betrachtet ihr größter Erfolg im E-Commerce und warum?

Unser größter Erfolg war und ist es, dass wir – aus meiner Sicht – der einzige konsequente Onlineanbieter im UE-Bereich sind. Wir bieten Kunden Mehrnutzen, bei uns macht es Spaß zu surfen und wir haben relevanten Content für den User. Wir kommunizieren offen und transparent über verschiedene Kanäle, wie unser Blog oder Facebook, mit unseren Usern und sind für Kunden wie auch für die Industrie ein verlässlicher Partner.

Ich denke, dass auch die qualitativ hochwertige Vermarktung von Produkten für die Industrie immer wichtiger werden wird. Mit dem Shift von Offline zu Online und dem damit verbundenen Niedergang des Retails muss ein Hersteller sich genau überlegen, wie er seine Produkte im Marktumfeld platzieren möchte und wie er es schaffen kann, sich als Marke im Onlineumfeld ein positives Profil zu geben.


4. Was würden Sie mit einem Werbebudget von EUR 10.000 bzw. EUR 50.000 heute anstellen?

Bei notebooksbilliger.de Banner schalten ;)


5. Wie beurteilen Sie den wachsenden Markt des Mobile Web. Gibt es hier bei Ihnen Überlegungen bzw. erste Ansätze?

Ich glaube, dass es absolut relevant ist, dass wir unseren Kunden die Information dort geben, wo sie benötigt wird. Und das ist nun einmal mehr und mehr unterwegs. Also müssen wir da eine ganz konsequente Strategie spielen und tolle Apps bauen, die Spaß machen und dem User die notebooksbilliger.de Experience auch unterwegs vermitteln. Ich bin selber Beta-Tester unserer iPhone-App und bin total begeistert, was unsere Jungs da aus dem Hut gezaubert haben!


6. Was wären die drei aus Ihrer Sicht wichtigsten Tipps für einen Einsteiger ins Onlinebusiness und was wären drei absolute „no go´s“?

Aus meiner Sicht ist sicherlich eine Erfolgskomponente, dass man die Finger von gesättigten Märkten mit entsprechend starker Konkurrenz lässt. Der zigtausendste Shop zum allgemeinen Thema Mode – um hier nur ein Beispiel zu nennen – macht aus meiner Sicht keinen Sinn und hat sicherlich erstmal nur begrenzte Erfolgschancen, da man den Vorsprung und das Standing der etablierten Händler nur mit enormen Aufwand – und hier dann meist nur über den Preis, was ja auch wieder Aufwand bedeutet – aufholen kann. Insofern gilt aus meiner Sicht: Je spezialisierter, desto besser.

Ein zweiter Tipp wäre aus meiner Sicht, dass man nicht nur Produkte – egal in welchem Bereich – anbietet, sondern ein echtes Einkaufserlebnis schafft. Dies kann durch unterschiedlichste Arten erfolgen, beispielsweise indem man sehr umfangreiche Produktbeschreibungen mit „Liebe zum Detail“ anbietet. Eben nicht den vielfachen Einheitsbrei.

Was als dritter Punkt natürlich auch extrem wichtig ist: Man sollte sein Handwerk verstehen. Hierzu zählt in meinen Augen, dass man auch nur solche Dinge verkauft, von denen man Ahnung hat. Zum einen wird einem der Einstieg dadurch in jeglicher Beziehung leichter fallen und zum anderen wird man dadurch seine Kunden auch leichter überzeugen können. Des Weiteren sollte man auch mit Begriffen wie SEO, SEM und Social Media umgehen können und hier das kleine Einmaleins beherrschen.

Die No Go´s wären aus meiner Sicht demnach eben genau diese Punkte nicht zu beachten. Und ich wäre vorsichtig damit, zu viel Outsourcing zu betreiben. Gerade am Anfang ist ein Business Modell häufigen Wechseln unterworfen, wenn ich da nicht die Fäden in der Hand behalte, wird’s unflexibel und teuer.


7. Welche Technologie bzw. welches Shopsystem verwenden Sie und warum?

Bei unserem Shop handelt es sich um eine komplette Eigenentwicklung, die von unserer eigenen IT-Abteilung über viele Jahre hinweg entwickelt wurde und auch laufend weiterentwickelt wird. Damit können wir kompromisslos auf die jeweiligen Anforderungen reagieren und sind hier vollkommen unabhängig. Natürlich treiben wir Innovationen auch selbstständig voran und können diese dann auch ohne Verzögerungen umsetzen.
Für uns sind Datenhaltung und Schnittstellen mittlerweile wichtiger als die Applikationen Drumherum. Es ist durchaus denkbar, dass wir z. B. zukünftig für verschiedene Zwecke unterschiedliche Shopsysteme nutzen werden.


8. Was muss man als Unternehmer aus Ihrer Sicht mitbringen, um im E-Commerce Erfolg haben zu können?

Was mir häufig bei „Gründern“ fehlt, ist die echte Begeisterung für das, was sie tun. Ich habe immer ein komisches Gefühl dabei, wenn ich Leuten zuhöre, die ein Unternehmen gründen mit dem klaren Ziel, es später zu verkaufen. Ich finde es toll, wenn Menschen mit Herzblut ein Unternehmen hochziehen. Einfach, weil es ihnen Spaß macht und weil sie ihren Traum leben wollen. Geld allein macht nicht glücklich…


9. Welche drei Shops sind für Sie derzeit als Benchmark zu sehen und warum?

Die Liste ist leider sehr kurz … Gut finde ich nur amazon.de. Konsequente Strategie, breites Sortiment, Nutzung von Onlinetechniken und Liebe zum Detail. Ein sehr guter Shop! Otto entwickelt sich interessant, spricht mich persönlich aber nicht an. Das ist vermutlich eine Branding – Frage. Und ein Auge werfen können wir wieder auf eBay, die sich langsam aus der Versenkung emporarbeiten mit durchaus interessanten Ansätzen, die das Verkaufen und Kaufen wieder spannender und einfacher machen.


10. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die drei größten Trends im E-Commerce?

Die Schlagwörter wie Social und Mobile Commerce sind durchaus berechtigt in aller Munde. Was mir in der Diskussion fehlt ist Content. Irgendjemand hat mal gesagt „Content is King“. Und das stimmt!


11. Wie beurteilen Sie das Thema Social Commerce. Wie sozial ist Ihre E-Commerce Strategie ausgerichtet?

Wir sind immer schon sehr transparent mit unseren Kunden umgegangen. Und genau das ist sehr wichtig in einem Bereich, der binnen Sekunden Polarisierungseffekte von Millionen Menschen bewirken kann. Viele bei uns leben einfach selber auch Themen wie Facebook und Co. Ich selber würde mich durchaus als Technik-Nerd bezeichnen. Ich hätte Schwierigkeiten, Produkte zu vermarkten, die mich überhaupt nicht interessieren. Und ich wünsche mir, dass wir die Begeisterung oder die Ablehnung für Produkte weiter offen und relevant für unsere User rüberbringen.


12. Waren früher die Bereiche SEO/SEM die Buzz-Words, so wird das Ganze heute häufig ergänzt durch User Experience Optimization bzw. Usability-Optimierung. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Das sind alte Themen, die einem ständigen Wandel unterliegen. Wir leben z. B. in dem Paradoxon, dass unsere User uns für den guten und umfangreichen Content lieben, uns aber gleichzeitig – berechtigterweise – vorgeworfen wird, die Produktseiten seien „überfüllt“. Da arbeiten wir laufend dran und das wird sicher auch nie aufhören…


13. Wo sehen Sie sich und den E-Commerce ganz allgemein in zwei Jahren?

E-Commerce wird zukünftig einen immer wichtigeren Anteil am Handelsvolumen einnehmen und aus meiner Sicht in vielen Bereichen zu DEM Absatzkanal und dem bestimmenden Faktor im Handel werden. Die Angst vor dem Internet nimmt weiter ab und auch die Altersgruppen, die im Internet einkaufen werden immer breiter, insofern ergeben sich auch zukünftig laufend noch neue Chancen.

© 2013 eSTRATEGY-Magazin
Facebook
Twitter
RSS