E-Commerce in der Praxis - Erfolgreiche Shopbetreiber im Interview

Interview mit Dr. Stephanie Caspar, Geschäftsführerin bei mirapodo

1. Seit wann sind Sie im E-Commerce aktiv und wie gestalteten sich rückblickend die ersten Schritte? Warum war E-Commerce damals für Sie ein Thema?

E-Commerce war für mich schon während meiner Promotion ein Thema – ich habe mich mit Kaufverhaltenstheorien beschäftigt und vor diesem Hintergrund die Chancen im E-Commerce beleuchtet. Im Anschluss habe ich 2003 bei eBay angefangen. Die Transformation von einem Flohmarkt zu einem riesigen Onlinemarktplatz habe ich aktiv miterlebt. Heute bin ich Geschäftsführerin von mirapodo.


2. Was waren bislang einige der größten Herausforderungen und wie haben Sie diese Herausforderungen gemeistert?

Meine größte Herausforderung war sicherlich der Launch von mirapodo – am 1. September 2009 habe ich als Geschäftsführerin angefangen mit dem Ziel, mit mirapodo so schnell wie möglich live zu sein. Im Februar 2010 haben wir dann die ersten Schuhe an Kunden verkauft. Die Fülle an Themen, die unter sehr hohem Zeitdruck alle ineinandergreifen müssen, gestaltete den Start sehr anspruchsvoll. Da hilft natürlich ein engagiertes Team, dem man hundert Prozent vertraut. Und Entscheidungen müssen wohl überlegt, im Anschluss aber schnell getroffen werden.


3. Was war aus Ihrer heutigen Sicht betrachtet ihr größter Erfolg im E-Commerce und warum?

Meine gesamte Laufbahn im E-Commerce würde ich aus heutiger Sicht als sehr erfolgreich betrachten – sowohl bei eBay als auch die letzten zwei Jahre mit mirapodo.


4. Was würden Sie mit einem Werbebudget von EUR 10.000 bzw. EUR 50.000 heute anstellen?

Das Wichtigste ist, dass man sich über seine Ziele im Klaren ist und gleichzeitig die entsprechenden Kriterien anlegt, um entsprechende Maßnahmen zu bewerten. Geht es um Neukundengewinnung oder soll in den Markenaufbau investiert werden? Welche Rolle spielen die Bestandskunden in der Erreichung der Unternehmensziele? Ein Werbebudget kann meiner Meinung nach nicht losgelöst von der Situation eines Unternehmens beurteilt werden.


5. Wie beurteilen Sie den wachsenden Markt des Mobile Web. Gibt es hier bei Ihnen Überlegungen bzw. erste Ansätze?

Wir beschäftigen uns ganzheitlich mit der Kauferfahrung und den Kundenbedürfnissen. Da spielt Mobile natürlich eine sehr wichtige Rolle, genauso wie Tablet PCs. Dabei ist mir wichtig, dass wir uns auf Ansätze konzentrieren, die ein neues Kundenbedürfnis abdecken oder ein bestehendes besser lösen als auf dem PC. Das sind sowohl Commerce-Ideen, können aber auch Service- und Kundebindungsideen sein.


6. Was wären die aus Ihrer Sicht drei wichtigsten Tipps für einen Einsteiger ins Onlinebusiness und was wären drei absolute „no go´s“?

Meiner Meinung nach gibt es diese nicht. Der Charme für viele im Onlinebusiness besteht ja gerade darin, dass es keine allgemeingültigen Spielregeln gibt, die einem für viele Jahre Orientierung geben. Man muss sich immer wieder mit neuen Dingen auseinandersetzen. Daher würde ich dazu raten, gut zuzuhören und offen zu bleiben. Bewährte Prinzipien müssen regelmäßig überprüft werden.


7. Welche Technologie bzw. welches Shopsystem verwenden Sie und warum?

Wir benutzen Demandware. Hintergrund war der hohe Zeitdruck, mit dem wir mirapodo an den Start gebracht haben. Da hatte die Demandware Technologie den Vorteil, dass viele Shop-Anforderungen abgedeckt wurden und wir uns auf innovative Features zur Differenzierung konzentrieren konnten.


8. Was muss man als Unternehmer aus Ihrer Sicht mitbringen, um im E-Commerce Erfolg haben zu können?

Kundenorientierung, Zahlenaffinität, und - wie überall - gute Management Skills.


9. Welche drei Shops sind für Sie derzeit als Benchmark zu sehen und warum?

  • MR PORTER (Content und Commerce auf perfekte Weise verbunden, Design).
  • Immer noch Amazon für gesetzte Standards bei Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.
  • Zappos (Service, Kundenorientierung).


10. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die drei größten Trends im E-Commerce?

Die meist diskutierten: Mobile, Social, Multichannel.


11. Wie beurteilen Sie das Thema Social Commerce. Wie sozial ist Ihre E-Commerce-Strategie ausgerichtet?

Unsere hohe Aktivität in Social Networks ist Teil unserer Service Strategie. Das mirapodo Team ist für die Kunden vollkommen transparent und auf vielen Kanälen erreichbar. Wir kommunizieren mit den Kunden immer mit unseren echten Namen und nehmen uns dabei sehr viel Zeit, um einen Service zu bieten, der wirklich weiterhilft. Die Netzwerke helfen uns zu verstehen, was Kunden freut und ärgert und erlauben uns einen sehr engen Dialog. Daher würde ich Social Media bei mirapodo als Teil der Markenbildung einordnen. Commerce ist dabei dann ein attraktiver Nebeneffekt, aber nicht das primäre Ziel. Wie es sich weiter entwickelt, werden wir aufmerksam beobachten und unsere Ausrichtung regelmäßig überprüfen.


12. Waren früher die Bereiche SEO/SEM die Buzz-Words, so wird das Ganze heute häufig ergänzt durch User Experience Optimization bzw. Usability-Optimierung. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Usability Optimierung ist für uns alles andere als ein Buzz-Word, sondern absolut notwendig, um unsere Ziele zu erreichen. In jedem Usability Test finden wir Verbesserungsmöglichkeiten unseres Shops, auf die wir allein nicht gekommen wären. Dabei ist qualitatives Feedback aus Usability Tests genauso wichtig wie die permanente Analyse unserer Zahlen.


13. Wo sehen Sie sich und den E-Commerce ganz allgemein in zwei Jahren?

Da lasse ich mich gern überraschen.

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