E-Commerce in der Praxis - Erfolgreiche Shopbetreiber im Interview

Interview mit Bernhard Rackl, E-Commerce Leiter bei A.T.U

1. Seit wann sind Sie im E-Commerce aktiv und wie gestalteten sich rückblickend die ersten Schritte? Warum war E-Commerce damals für Sie ein Thema?

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase, bekam ich 2001 das herausfordernde Angebot, die E-Commerce Aktivitäten, sowohl strategisch als auch operativ, eines Unternehmens neu auszurichten. Am Anfang ging es bei dieser Aufgabe darum, das Vertrauen in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen zurückzugewinnen. Es galt, den Glauben daran zu stärken, dass vor allem eine partnerschaftliche Zusammenarbeit grundlegend ist für den Erfolg auf folgenden drei Feldern: Unternehmensprozesse, IT-Systeme und Marktaktivitäten.
Und, natürlich, viel operative Grundlagenarbeit zu tun ist.


2. Was waren bislang einige der größten Herausforderungen und wie haben Sie diese Herausforderungen gemeistert?

Eine der größten Herausforderungen vor meiner Zeit bei A.T.U war es, klassische Prozesse an vermehrt digitale Strukturen anzupassen. Viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren auf die erfolgskritischen Prozesse im Web fokussiert. Sie haben sich von traditionell und zentralistisch geprägten Strukturen zu modernen und flexibel agierenden Einheiten entwickelt. In Unternehmen, die vielleicht bisher im klassischen Distanzhandel oder Filialgeschäft tätig waren, gab es vor zehn Jahren wenige bis keine internen E-Commerce Prozesse.

Bei einer solchen Umorganisation ist es wichtig, die Mitarbeiter Schritt für Schritt mitzunehmen und für die neuen Möglichkeiten zu begeistern.

 
3. Was war aus Ihrer heutigen Sicht betrachtet Ihr größter Erfolg im E­Commerce und warum?

Bei einem erfolgreichen E-Commerce Händler ein über zehn Jahre hinweg kontinuierliches Umsatzwachstum zu begleiten und zu gestalten.

 
4. Was wären die aus Ihrer Sicht drei wichtigsten Tipps für einen Einsteiger ins Onlinebusiness?

Erstens: Fix-the-Basics – mit anderen Worten: Zunächst sollte das technische wie inhaltliche Fundament gebaut werden. Zweitens: Erfolgreiche Wettbewerber beobachten. Und drittens sollte darauf geachtet werden, Wechselhaftigkeit zu vermeiden.

 
5. Welche Technologie bzw. welches Shopsystem verwenden Sie und warum?

Wir verwenden unterschiedliche Technologien: Individualsoftware und die Magento Enterprise Plattform. A.T.U verfügt damit über eine gewachsene Technologielandschaft, die wir kontinuierlich weiterentwickeln.


6. Was muss man als Unternehmer aus Ihrer Sicht mitbringen, um im E­Commerce Erfolg haben zu können?

Das hat erst mal nichts mit dem „E“ vor dem Commerce zu tun. Es geht um das Erkennen und Verstehen von Kundenwünschen. Im E-Commerce ist es zudem wichtig, die Möglichkeiten der Technologie zu beherrschen. Das heißt vor allem viel Geduld und hohe Affinität zu Technik. Eine schrittweise Herangehensweise ist die Basis für Erfolg. Das gilt für das E-Business genauso wie für den regulären Distanzhandel oder das Filialgeschäft.


7. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die drei größten Trends im E-Commerce?

Die Verzahnung von Stationär- und Onlinegeschäft, Content-Optimization sowie Mobile-Commerce.


8. Wie beurteilen Sie das Thema Social Commerce. Wie sozial ist Ihre E­Commerce-Strategie ausgerichtet?

Im Zuge unserer Onlinestrategie beobachten wir selbstverständlich auch diese Entwicklungen. Wir geben dem Social Commerce aber gerne noch etwas Zeit.


9. Waren früher die Bereiche SEO/SEM die Buzz-Words, so wird das Ganze heute häufig ergänzt durch User Experience Optimization bzw. Usability­Optimierung. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Viele Onlineversender legen sehr viel Wert auf diese Themen. Das zahlt sich aber nur aus, wenn auch die nachgelagerten Prozesse den Kunden glücklich machen. Was nützt der beste Onlineshop, wenn beispielsweise die Logistikkette nicht funktioniert oder es Probleme bei der Rechnungsstellung gibt. Die Hebel im E- Business sind weitaus größer als man gemeinhin annimmt.


10. Wo sehen Sie sich und den E-Commerce ganz allgemein in zwei Jahren?

Weiter auf dem Vormarsch. Die zunehmende Bedeutung des Internets als Vertriebskanal, Informationsmedium und Akquisemöglichkeit beschränkt sich schon lange nicht mehr allein auf die Absatzseite, sondern gewinnt vermehrt auch auf der Beschaffungsseite von Handelsunternehmen an Relevanz. Das Internet ist mehr als nur ein „Shop“. Das Internet vernetzt unser Geschäft mit anderen Geschäften und verbindet auch unsere Kunden.

Jedes Unternehmen steht dabei vor besonderen Herausforderungen. Zum einen hat es sich diesem Wettbewerb zu stellen und zum anderen in allen Kanälen den vertrieblichen Anforderungen gerecht zu werden.

 

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