Donnerstag, 15. Dezember 2011

Interview mit 6Wunderkinder

Interview mit Christian Reber, einem der Gründer von 6Wunderkinder, über den Erfolg der Task Management App „Wunderlist“ und die zukünftigen Pläne.

1.000.000 User innerhalb von 275 Tagen – mit Ihrer Task Management App „Wunderlist“ haben sie ja mächtig vorgelegt. Wie kam es denn zu dieser Idee bzw. diesem Tool?

Die 5 anderen Gründer und ich haben das Ziel, Produkte zu bauen, die das Leben der Leute einfacher und produktiver machen. Um dieses Ziel zu erreichen, war es notwendig, dass wir eine Software bauen, die schön und innovativ ist und nicht vom eigentlichen Sinn ablenkt. Daraus entstand Wunderlist. Unser Hauptziel war, alles direkt von Anfang an zu haben (Multiplattform, cooles Interface, kostenlos). Wunderlist ist auf allen Plattformen verfügbar, cloud-based und in 30 Sprachen verfügbar. Wunderlist gibt es jetzt schon für Android, iPhone, iPad, Mac, Windows und Linux. Wir wollen es später auch auf Windows Phone und Blackberry anbieten.


Wie erklären Sie sich diesen enormen Erfolg? Was sind aus Ihrer Sicht wesentliche Erfolgskomponenten? An der Einzigartigkeit kann es eigentlich ja nicht liegen, da es ja durchaus vergleichbare Tools gibt.

Wunderlist ist super komfortabel und kostenlos. Andere Taskmanager verlangen Geld für Features die wir jetzt schon kostenlos integriert haben. Das Problem bei Konkurrenz-Apps, oder generell bei Productivity-Apps ist, dass man immer Kompromisse bei den Features eingehen muss. Manche sind zwar auf vielen Plattformen verfügbar, haben aber keinen Cloud-Sync. Das ist natürlich ein Problem.

Andere sind vielleicht auf allen Plattformen und haben auch Cloud-Sync, sind dafür aber eher unschön und viel zu teuer. Eine Sache, die wir von unseren Nutzern gelernt haben: Sie haben schon alle anderen Tools ausprobiert. Sie konnten sich aber nicht für eines entscheiden, weil immer irgendein wichtiges Feature gefehlt hat. Deshalb versuchen wir Wunderlist so komfortabel wie möglich zu machen - der User muss sich wohlfühlen.


Wer ist aus Ihrer Sicht ihr Hauptwettbewerber und warum?

Der Markt für Productivity-Software wächst und es tauchen immer mehr Tools auf, die speziell an bestimmte Ansprüche der Nutzer angepasst sind. Wir haben auf jeden Fall Konkurrenten, aber es geht nicht darum, zu schauen wer sie sind und was sie tun. Wir glauben an unsere Vision und Ziele und dass unser Ansatz einzigartig ist. Wir freuen uns schon darauf, Wunderkit zu launchen.

 

Wunderlist ist als Tool ja kostenlos und es gibt – im Moment zumindest – auch keine Premium-Dienste o.ä. Wie finanzieren sie sich bzw. wie sieht das Geschäftsmodell bei Ihnen aus?

Wunderlist war ein einfacher Task Manager, der es uns erlaubt hat, unsere Technik zu testen und zu schauen, ob und wie wir ein globales Produkt vertreiben können. Wunderlist ist aber eigentlich nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zu unserem Hauptprodukt Wunderkit. Wunderkit wollen wir zum ersten Produktivitätsnetzwerk der Welt machen und einen neuen Standard setzen. Im Moment können wir noch nicht zu viele Details verraten, aber man sollte auf www.wunderkit.com dran bleiben. Das Warten lohnt sich, Wunderkit wird später in diesem Jahr veröffentlicht.

 

Ich habe im Web den Ausspruch von Ihnen gefunden, dass Software aus Ihrer Sicht „sexy“ sein muss. Was verstehen Sie darunter?

Unser Design ist sexy. Unser Ziel war es, ein Tool zu erschaffen, das ein außergewöhnliches und schönes Design hat. Früher war Software oft sehr kompliziert und es machte nicht wirklich Spaß, sie zu benutzen. Mittlerweile geht es bei Software zum Glück nicht mehr nur um die Funktion, sondern auch um das Design. Daher haben wir auch großen Fokus auf unser Design gelegt. Ein Design, das sich von der Masse abhebt. Dabei geht es nicht nur um Wunderlist, es geht um die ganze Marke dahinter. Sei es der Blog, der Newsletter oder T-Shirts, egal was wir designen, unser Ziel ist Perfektion und ein „sexy" Aussehen.


Nennen Sie uns doch ein paar Beispiele von Softwaretools, die aus Ihrer Sicht sexy sind und warum?

Beispiele sind Zootool, weil es super nützlich ist, Reeder, weil es eine tolle Usability hat, Dropbox, weil es unglaublich einfach ist. Ausserdem noch Sparrow und Github.


Sie haben mit Ihrer „Anti-Copycat-Revolution“ für einiges an Medienecho gesorgt. Erzählen Sie uns doch mit ein paar Sätzen etwas über diese Aktion. Um was geht es hier konkret?

Mit dem Blogartikel wollten wir hervorheben, dass Berlin nicht länger eine Stadt der Kopien ist, sondern voller innovativer Startups steckt. Wir wollen dabei die jetzigen und die zukünftigen innovativen neuen Firmen loben und anspornen. Den Umbruch können wir schließlich nur zusammen schaffen.


Aktuell arbeiten Sie ja parallel an einem neuen Projekt namens „Wunderkit“. Was muss man sich darunter vorstellen? Wird dies das zweite große „Ding“ der 6Wunderkinder?

Wie gesagt, zu viel können wir noch nicht verraten. Aber das nächste große Ding wird es definitiv. Es wird weitaus größer als Wunderlist werden und mit Sicherheit vielen Leuten bei der Arbeit helfen.


Sie haben Wunderlist initial ja auf dem Mobile Framework Titanium entwickelt, die Entwicklung inzwischen aber vollständig in nativen Code geändert. Was waren die Gründe für den initialen Ansatz mit Titanium und warum jetzt der Wechsel „back to the roots“?

Zunächst haben wir ja nicht vollständig auf Titanium verzichtet. Die iPhone, iPad und Desktop Apps basieren weiterhin auf Titanium. Titanium ist eine großartige Technologie, aber mit unserer Android App wollten wir auf Grund einer schnelleren Performance auf nativen Code setzen. Titanium hat uns am Anfang wahnsinnig dabei geholfen, Wunderlist auf so vielen Plattformen wie möglich anbieten zu können.

 

Sie hatten ja bereits 2007 ein Startup gegründet und in der Folge dann erfolgreich an einen Investor verkauft. Mit 6Wunderkinder scheinen Sie Ihrer Erfolgsspur ja durchaus treu zu bleiben. Was raten Sie jungen Unternehmern und Start Ups um ähnlich erfolgreich zu werden?

“Work to learn, not to earn"

Ein Tipp, den ich bekommen habe, als ich jünger war ist: „Arbeite hart und denk nicht darüber nach, wie viel Geld du verdienen könntest. Denke mehr darüber nach, was du lernen könntest." Es ist extrem wichtig, ein umfangreiches praktisches Wissen zu haben und in möglichst vielen Bereichen Bescheid zu wissen. Startups arbeiten oft an neuen Ideen, die viele Nutzer nicht verstehen werden. Man sollte daher so viel wie möglich reflektieren und darüber nachdenken, was man macht und was man lernt. Alles was man lernt wird später Einfluss auf die Arbeit und den Führungsstil haben.


Was sind aus Ihrer Sicht ganz allgemein die wichtigsten Eigenschaften, um im New Media Umfeld Erfolg zu haben?

Belastbarkeit, Entschlossenheit und Innovationsfähigkeit.


Was treibt sie trotz all dem Erfolg weiter an und wo sehen Sie sich und ihr Unternehmen in zwei bis drei Jahren?

Ich bin bei der Arbeit extrem leidenschaftlich. Quasi jede wache Minute dreht sich um Wunderkit und Wunderlist. Ich bringe mich dabei in sovielen Bereichen der Entwicklung wie möglich mit ein. Mein Team ist großartig und es macht Spaß mit anzusehen, wie Ideen Wirklichkeit werden. Es war immer mein Traum mit einer Gruppe von Menschen etwas Großartiges zu erreichen, dabei macht jeder einzelne Moment Spaß.

Wir konzentrieren uns jetzt auf den Launch von Wunderkit und wollen so hoch wie möglich hinaus und weiter wachsen.

 

Wichtige Links:

http://www.6wunderkinder.com

http://www.wunderlist.com

http://www.wunderkit.com

http://www.facebook.com/6wunderkinder

http://www.twitter.com/6wunderkinder

http://blog.wunderlist.com

http://www.youtube.com/6wunderkinder

 

Abb.: Christian Reber

Autor

eStrategy-Redaktion

Josef Willkommer

© 2012 eSTRATEGY-Magazin
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