Donnerstag, 15. Dezember 2011

Firmenseiten auf Google+

Seit Kurzem erlaubt Google auf seinem Dienst Google+ auch Firmenpräsentationen. Was bei Facebook zum Standard gehört, ist bei Google noch Neuland. Einiges ist anders, manches klingt besser und vieles wird sich noch erweisen müssen.


Social Media Marketing (SMM) ist nicht nur eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird, SMM ist inzwischen fester Bestandteil einer durchdachten Kommunikationsstrategie. Auch wenn eine effektive SMM-Strategie eine komplexe Angelegenheit ist, der Präsentationsteil ist technisch zumindest recht einfach: Die Facebook-Firmenseite wird schick und informativ gestaltet, die Kommunikationsstrategie festgezurrt, der Twitter-Account einfach hinten angehängt und dann kann das Tagesgeschäft beginnen. Bei Facebook prallt der kommunikationswillige Unternehmer auf potentiell 800 Millionen Fans, da stellt sich die Frage nicht wirklich, ob der Aufwand auch lohnt.

Nun betritt Google mit seinem Dienst Google+ die Bühne. Soziale Netzwerke gab es sowieso schon mehr als man kennen kann und so schnell wie sie entstehen, so schnell geraten sie meist auch wieder in Vergessenheit. Google ist ja nun aber nicht irgendwer, also muss man sich die Plattform schon näher ansehen: Die Idee mit den Circles ist clever, da kommt Facebook mit seinen intelligenten Listen einfach nicht mit. Neben der privaten Vernetzung mit Freunden und Kollegen will der moderne Unternehmer das Netzwerk aber auch als professionelle Kommunikations- und Interaktionsplattform nutzen. Welche Möglichkeiten gibt es also zur Firmenpräsentation? Wer bisher versucht hatte, quasi durch die Hintertür eine Firma zu präsentieren, wurde gnadenlos gesperrt: Wer sich statt „Thomas Müller“ einfach „Bäckerei Müller“ zu nennen versuchte, wurde schnell enttarnt und gemäß der Realnamen-Richtlinien blockiert.  

Der Startschuss

Abb. 1: Google+ Firmenseiten anzulegen ist technisch simpel

Am 08. November 2011 startete Google endlich den Dienst „pages“ also Firmenseiten. In der Basis wieder ähnlich wie Facebook, kann nur ein existierender Account eines echten Menschen eine Firmenpräsentation eröffnen, das ist aber sehr simpel – mit ein paar Klicks ist die Seite online und die Empfehlung an das eigene Netzwerk ist im Startprozess sogar gleich integriert. Dummerweise geschieht das noch bevor man zum Einstellen eigener Inhalte geleitet wird, also empfiehlt man seinem Netzwerk zunächst einmal nur die leere Seite - aber das ist nur ein Detail. Die Empfehlung kann man auch überspringen, zuerst einmal die Seite fertig machen und sie dann mit den eigenen Circles teilen.

Was aber ist passiert am Tag der Chance? Klar: Zuerst einmal ging der große Run auf alle möglichen Markennamen los und die Juristerei in Deutschland kann sich schon mal die Hände reiben, denn allein der Begriff „Coca Cola“ wirft jetzt schon über 30 Seiten aus. Der Getränkehersteller kann jetzt also zusehen, wie er die echte Seite von den Nachahmern unterscheidbar macht oder sich die Exklusivität erstreitet.  

Abb. 2: Der große Run auf etablierte Markennamen

Die URL einer Firmenseite lautet derzeit zum Beispiel:
http://plus.google.com/b/111211226209076078602/-
Wer den Link also nicht irgendwo anklicken kann, wird ihn niemals eingeben. Eine nachvollziehbare URL wäre aber gut für die Auffindbarkeit und wenn sich jemand in Suchmaschinenoptimierung auskennen muss, ist es ja wohl der Suchmaschinenanbieter selbst – da muss und wird sich wahrscheinlich etwas ändern. Die Nummerierung anstatt einer eindeutigen Benennung hat aber momentan noch einen großen Vorteil – zumindest für Google – eventuelle Streitigkeiten um Markenschutz und Namensrechte werden einfach nach hinten verschoben, siehe die 30 Coca Cola Seiten.

Du sollst keine anderen Administratoren neben mir haben

Eine weitere Ernüchterung in Sachen Funktionalität folgte rasch, denn so wichtige Dinge wie die Übertragung von Admin-Rechten auf andere gibt es bei den Google+-Seiten (Stand Mitte November) schlichtweg noch nicht. Google+ folgt konsequent der Philosophie, dass man mit seinem persönlichen Google-Account Zugriff auf alle Features wie Google Analytics, Google Docs und so weiter kommt. Dieser Philosophie folgt auch der derzeitige exklusive Admin-Modus. Für den oben erwähnten Bäcker Müller wird das keinen Unterschied machen, bei großen Firmen sieht das anders aus – da sitzt kein einzelner Blogger vor dem Bildschirm, da kümmert sich eine externe Agentur oder eine ganze Abteilung um solche Dinge.

Der Initiator, Inhaber und einziger Administrator ist nun also einzig und allein verantwortlich für die Seite. Der Wechsel zwischen privatem Profil und der administrierten Seite ist simpel und per Klick passiert, beinhaltet aber eine Falle: Sobald der User als Firma unterwegs ist, ändern sich alle Circles und Einstellungen, d. h. auch jedes Posting wird im Namen der Firmenpräsentation geschehen. Die Lösung lautet: Entweder den angezeigten Namen oben links immer gut im Blick halten oder einfach zwei Tabs öffnen – eines für den persönlichen Account und eines für die Firmenseite. 

Abb. 3: Auch wenn große Firmen hinter den Pages stehen - es gibt nur einen Administrator

Persönlich ansprechen kann man alle Follower der Seite – aber nur diese. Gegen Spam wie bei Twitter, wo in Hunderten von Tweets die User automatisiert direkt angesprochen werden können, ist bei Google+ also vorgebeugt. Das Twitter-übliche pauschale gegenseitige Folgen aller „Fans“ ist momentan nicht möglich, kann aber mit einem kleinen Trick auch erledigt werden. Ansonsten bietet Google+ ja schon eine ganze Weile den „+1“-Button ähnlich der „Like“-Funktion bei Facebook. Google+-Gadgets sind auch schon da, d. h. die „Follow-me“-Funktion kann auch schon auf den firmeneigenen Websites eingebunden werden.

Für sich betrachtet könnte man sagen, Google+ ist in Sachen Firmenpräsentation momentan nur irgend ein me2-Produkt ohne nennenswerte Userzahlen. Irgendwie eine Kombination aus Facebook und Twitter. Weitergreifend ist es aber in Zusammenhang mit all den anderen schicken kleinen Tools, die Google bereitstellt, nur konsequent, sich intensiver mit der Plattform zu befassen. Außerdem konnte Google+ in den ersten beiden Tagen nach Öffnung der Beta-Phase schon 10 Millionen User verzeichnen – na, wenn das mal nicht schwer in die richtige Richtung geht.

© 2012 eSTRATEGY-Magazin
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